«Kurgast» in Baden
Neu illustrierte Buch-Ausgabe

Er war einer der berühmtesten Kurgäste des 20. Jahrhunderts: der Schriftsteller Hermann Hesse. Seine «Aufzeichnungen von einer Badener Kur»  sind neu auch bebildert erhältlich – mit Illustrationen seiner Urenkelin Karin Widmer.

A stroll in the park

«Ich entschliesse mich zu einem kleinen Spaziergang, und wie ich am Tor des Kurgartens vorbeikomme, merke ich am lebhaften Besuch, dass oben im Kursaal wieder eines der vielen Konzerte sein muss, welche dort immerzu stattfinden und von denen ich noch keines gehört habe. Ich trete also ein und finde im Kursaal ein sehr zahlreiches Publikum versammelt, es ist das erstemal, daß ich das hiesige Kur- und Krankenvolk so in corpore antreffe.» («Kurgast», S. 50/51)

Illustration: Karin Widmer, Kurhaus seitlich, Buch S. 123.

Kurgäste suchen Zerstreuung

Dieses Zitat aus dem «Kurgast» von Hermann Hesse umreisst den obligaten täglichen Besuch des Kursaals: Von den Bädern her kommend, treten die Gäste in den umzäunten Kurpark, gehen hier ein paar Schritte, bevor sie sich in den Kursaal begeben, um dem Nachmittagskonzert zu lauschen – zusammen mit den vielen anderen Kurgästen in der Stadt. Sie leiden an Schmerzen oder haben andere Schläge zu verwinden, sind auf der Suche nach Zerstreuung.

Illustration: Karin Widmer, Kurgäste an Krücken, Buch S. 100/11.

 

«Keine Sympathie»

Der Ich-Erzähler im «Kurgast» schaut der Szenerie zu, kann «dem ganzen Unternehmen aber keine Sympathie entgegenbringen». Die Musiker würden ihre Sache recht machen, findet er, aber die Programmauswahl gefällt ihm nicht. Nur Bearbeitungen und Auszüge aus Opern und Operetten wie «Carmen» und «Fledermaus» würden gespielt. Alles nur zur Unterhaltung der gelangweilten Menschen auf Kur. Irgendwann freundet sich der Beobachter mit der Szene an und begibt sich in die Menge, wird zum Zuhörer. Auch am Boule-Tisch versucht er sich. Die Sinnsuche, die stets im Vordergrund war, verliert an Wichtigkeit, Langeweile und Musse bestimmen die Tage.

Illustration: Karin Widmer, Kur-Orchester, Buch S. 89.

 

Nobelpreisträger zur Kur in Baden

Hesses «Kurgast» erschien 1925 und damit 50 Jahre nach dem Bau des Kursaals in einer Zeit, in der sich das Badener Kurleben nach dem Ersten Weltkrieg vorsichtig erholt hatte. Hesse, so ist es historisch verbürgt, kam in der Saison 1923 als 51-Jähriger zum ersten Mal zur Kur nach Baden. Der aus Süddeutschland stammende Hesse hatte unter anderem im Krieg gedient und sich 1919 als Schriftsteller im Tessin niedergelassen. Hier begann eine produktive Zeit, hier entstanden «Siddhartha» (1922) oder «Der Steppenwolf» (1927) – 1946 erhielt er den Nobelpreis für Literatur, 1962 starb er in Montagnola (TI).

Illustration: Karin Widmer, Hermann Hesse 2006, Buch Intro.

Reich illustriert von Hesses Urenkelin

Nach der Erstveröffentlichung gab es zahlreiche neue Ausgaben von «Kurgast». Zum 100-Jahr-Jubiläum hat der Hamburger Verlag Officina Ludi die bislang hübscheste Neuauflage realisiert und dafür mit der Urenkelin Hermann Hesses zusammengearbeitet. Die Berner Grafikerin und Illustratorin Karin Widmer brachte sodann über 30 Szenen des Hesse-Texts ins Bild – sie sprechen für sich als «Aufzeichnungen von einer Badener Kur».

Illustration: Karin Widmer, Casino more vintage, Buch S. 94/95

Die neue «Kurgast»-Ausgabe von 2025 ist reich bebildert mit Illustrationen der Urenkelin und Grafikerin Karin Widmer – von der Ankunft des Gasts zusammen mit zahlreichen kränklichen Menschen hin zum Kursaal mit Konzerten der Kurkapelle und Glücksspiel am Boule-Tisch.

Illustrationen: Karin Widmer
Hermann Hesse: Kurgast

© 2025 Officina Ludi, ISBN 978-3-946257 -10-3

Alles zum Buch via Verlag: https://www.officinaludi.de/hermann-hesse-kurgast/. Erhältlich in Buchhandlungen.

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